Chapter 5 0301 Z-Zeit (17: 01 Uhr Alaskan Time)I.C.E.-Hauptgebäude 8 Meilen westlich von Barrow, Alaska Sie inspizierten die kleine Vorratskammer und sahen sich dann den Inhalt des Kühlschranks an. Sie wechselten einen schnellen Blick. "Vegetarische Lasagne mit Lachs?" sagten sie dann wie aus einem Munde. Mac lachte. Harm schluckte und ein Flyboy-Lächeln breitete sich unwillkürlich über seinem Gesicht aus. Mac hatte gelacht! "Oh, man!" Mac schälte die Zwiebeln, während Harm Käse und Tomaten in Dosen zutage förderte. Eine Minute lang stritten sie sich darum, wer besser mit dem Messer hantieren sollte und wer nicht, ganz ohne sich gegenseitig anzubrüllen. Es war fast wie in alten Zeiten. Und alles nur wegen vegetarischer Lasagne. Harm grinste. Nach einer halben Stunde schob Harm die Lasagne in den Ofen und ging zu Mac hinüber, die inzwischen ein Dessert vorbereitet hatte. Es sah nach Mousse au chocolat aus. Harm lachte. "Schokolade, ich hätte es wissen sollen!" Mac sah ihn an. "Was soll das heißen?" Ihre Stimme klang herausfordernd. "Uh, nichts." beeilte sich Harm zu sagen. Er wollte ihren wackeligen Waffenstillstand nicht schon wieder gefährden. Mac gab ihm einen Löffel und er probierte vorsichtig. Erstaunt sah er sie an. "Was?!" fragte Mac entnervt. "Das ist richtig gut." stellte er fest und klang fast überrascht. "Wie zum Teufel glauben Sie, habe ich so lange überleben können, wenn ich nicht kochen könnte?" Macs Gesicht verdüsterte sich merklich. "Gute Beziehungen zu Beltways?" schlug Harm mit einem jungenhaften Grinsen vor. Mac war nicht sehr amüsiert. "Sehr witzig, Commander, ich lache später." Sie wußte, daß er es als Scherz gemeint hatte, aber sie fand es nicht besonders witzig. Konnte er nicht einmal ernst sein? *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *»
0502 Z-Zeit (19: 02 Uhr Alaskan Time) Anna Tschechow legte ihren Löffel in die leere Dessertschale zurück und verschränkte die Hände über dem Magen. "Das war definitiv besser als Borschtsch, Nikolai." sagte sie zu ihrem "Mann". Der Riese an ihrer Seite lachte sanft. "Das muß wohl der Grund sein, warum ich Meeresbiologe geworden bin und nicht Koch." Mac beobachtete die beiden jungen Russen genau, um ihre Hypothese zu bestätigen. Tatsächlich gab es zwischen den beiden kein Küssen, keine Umarmungen, nicht einmal Händchen halten. Aber Mac spürte den Respekt und die Zuneigung zwischen den beiden und wurde fast ein wenig traurig, als sie sie zusammen scherzen sah. Harm schien es zu spüren und er legte ihr kurz die Hand auf den Arm. "Marsch Marine, Abwasch!" befahl er lachend und erhob sich. Mac schüttelte den Kopf, stand aber ebenfalls auf und begann Teller zu stapeln. "Abwasch hat mit Wasser zu tun und Wasser ist eine Sache der Navy, nicht des Marine Corps." erklärte sie lächelnd. "Dann betrachte dich als Kriegsgefangene, wir Navy-Leute sind hier in der Überzahl." erwiderte Harm grinsend. *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *»
0540 Z-Zeit (19: 40 Uhr Alaskan Time) Harm rollte die Ärmel zurück nach vorne und schloß die Knöpfe am Handgelenk. "Und was jetzt?" fragte er, als Mac den letzten Teller zurück in den Schrank stellte. "Ich weiß nicht, was Sie tun, aber ich brauche noch ein bißchen Bewegung." erklärte Mac, aber es klang nicht nach einer Einladung, sich ihr doch anzuschließen. "Sie denken doch sicher nicht daran, eine Runde um den Block zu joggen, oder?" fragte Harm belustigt. "Das sollten Sie lieber tun, es würde Sie abkühlen." meinte Mac bissig. Harm seufzte unmerklich. Der Frieden während des Essens war ja auch zu schön gewesen, um wirklich wahr zu sein. Sie gingen in ihr Quartier zurück und Mac verschwand im Bad. Als sie wieder zum Vorschein kam, trug sie olivgrüne Shorts und ein braunes Marine-Corps-T-Shirt. Sie schnappte sich ihre Box-Handschuhe und begann, auf den Punching-Ball, den sie in der Ecke aufgehängt hatte, einzuhämmern. Ihre Schläge waren schnell und kraftvoll, kamen ohne Pause. Sie schlug zu, als wäre der Punching-Ball ihr persönlicher Feind. Ihre Fußarbeit war schnell und agil. Harm mußte zugeben, daß ihr Vater ein guter Lehrer gewesen war. Er wünschte, Joe MacKenzie wäre als Vater ebenso gut gewesen. Auf Macs T-Shirt begannen sich dunkle Flecken zu bilden und der Pony klebte ihr an der Stirn. Sie taumelte leicht, als sie versuchte, den Schweiß abzuschütteln, der ihr in die Augen lief. "Mac ..." sagte Harm vorsichtig. Sie hörte es nicht, oder wollte es nicht hören. Kompromißlos und verbissen hämmerte sie weiterhin auf den Punching-Ball ein. "Maaac!" versuchte es Harm eindringlicher. "Was ist?!" fauchte Mac, ohne innezuhalten. "Glauben Sie nicht, daß Sie es übertreiben? Lassen Sie es langsam angehen, sonst verletzen Sie sich noch." warnte Harm besorgt. "Ich bin kein kleines Kind, verstanden? Ich weiß selbst, was gut für mich ist." Mac schlug eine mörderische Doublette. Harm war fast sicher, daß sie sich jetzt vorstellte, sein Gesicht zu treffen. Sie fuhr mit ihrer schweißtreibenden Tätigkeit fort. Harm hoffte, daß sie sich austoben würde, aber das schien nicht der Fall zu sein. Er war sicher, daß ihre Arme schmerzen mußten, aber sie hörte einfach nicht auf. "MAC!" rief er scharf. "Hören Sie auf, Sie tun sich nur weh!" "Hören SIE auf!" brüllte Mac zurück, "Hören Sie auf, ständig den Beschützer zu spielen! Schaffen Sie sich ein Haustier an oder suchen Sie sich irgendein dummes, schwaches kleines Frauchen, wenn Sie Ihren Beschützerinstinkt nicht unter Kontrolle haben, aber lassen Sie mich in Ruhe! Ist Ihnen schonmal in den Sinn gekommen, daß es auch Leute geben könnte, die ohne den großen Harmon Rabb und seine ach so menschenfreundliche Hilfe auskommen?! Lassen Sie mich einfach nur in Ruhe!" Jedes ihrer letzten Worte wurde von einem weiteren Schlag begleitet. Eine Sekunde lang wollte Harm geschockt genau das tun, was sie von ihm verlangt hatte, aber irgendetwas, vielleicht sein "Beschützerinstinkt", ließ einfach nicht zu, daß er Mac jetzt allein ließ. Er trat einen Schritt näher und streckte beschwichtigend die Hand aus. Wumm! Er hatte die Faust nicht kommen sehen, die ihn plötzlich im Gesicht traf. Mit aufgerissenen Augen taumelte er drei Schritte zurück. Mac ließ endlich die Fäuste sinken. Sie starrten sich an und es war schwer zu sagen, wer über den Schlag erstaunter war, Harm oder Mac selbst. In Harms Augen war ein Ausdruck, den Mac noch nie an ihm gesehen hatte, obwohl sie glaubte, fast jede Nuance seiner Mimik zu kennen. Es war weder Schmerz, noch Angst, sondern schien fast wie ... Sorge. Sorge um Mac. Von seiner Lippe tropfte etwas Blut, doch er schien es nicht zu bemerken. Mac wußte nicht, was sie tun sollte. Sie fühlte sich schrecklich. Ein Teil von ihr, die Sarah MacKenzie, die Harms Freundin war, hätte sich gerne entschuldigt, aber irgendwie erschien es ihr unzulänglich, so als wäre es zu spät dafür. Ein anderer Teil, das kleine, verletzliche Mädchen Sarah, wollte sich am liebsten weinend im Badezimmer einschließen, doch das ließ der Marine nicht zu. Die Anwältin in ihr wollte reden, die Sache friedlich klären. Die gutherzige Sarah, die sich für Corporal Wetzel eingesetzt und den alten Hund Jingo aufgenommen hatte, wollte Verbandsmaterial holen. Der Offizier wollte aufrecht jede Strafe entgegennehmen. Die Tochter ihres Vaters wollte erneut zuschlagen. Die Alkoholikerin wollte nach der nächsten Flasche Wodka suchen, um alles zu vergessen. Sarah MacKenzie, Anwältin, Marine, Ex-Alkoholikerin, Tochter und Kollegin, wußte nicht, was sie tun wollte. Darauf lief alles heraus: Sie wußte überhaupt nicht mehr, was sie tun sollte. Sie räusperte sich und zögerte, als müßte sie sich erst erinnern, wie man Worte zu einem Satz formte. "Sie bluten, Commander." Ihre Stimme war rauh. Harm hob die Hand und wischte sich das Blut von der Lippe, ohne den Blick von ihr abzuwenden. "Oh, keine Sorge, das wird meinem guten Aussehen schon keinen Abbruch tun!" versuchte er zu scherzen, ganz automatisch, fast schon wie ein Reflex. "Mac, ich ..." Mac schüttelte den Kopf. "Nicht jetzt, Harm, ich will einfach nur noch ins Bett, ja?" Sie klang einfach nur müde, körperlich und seelisch völlig erschöpft. Harm nickte. "Okay." Sein besorgter Blick folgte ihr, als sie zum Badezimmer ging. Er wußte, daß es dieser "verdammte Beschützerinstinkt" war, der ihn in diese Schwierigkeiten gebracht hatte, aber er konnte einfach nicht anders, als so zu empfinden. *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *»
1412 Z-Zeit (04:12 Uhr Alaskan Time) Mac lag wach. Wieder einmal. Sie starrte an die Wand, eine ganze Weile lang, dann drehte sie sich um und wiederholte die Prozedur mit der anderen Wand. Sie lauschte in die Dunkelheit. Im Badezimmer tropfte stetig ein Wasserhahn. Draußen sprang irgendwo ein Stromaggregat an. Die Geräusche im Gebäude waren wie ihr Geist, nie ruhend, nie völlig verstummend, nie völlig friedlich. Sie hörte jede Bewegung, jedes Geräusch im Haus. Harm neben ihr machte es auch nicht gerade leichter. Er atmete ruhig und gleichmäßig; schlief schon seit Stunden. Sie versuchte, nicht an den Streit mit ihm zu denken, das würde den Schlaf auch nicht leichter kommen lassen. Sie wälzte sich erneut herum und lag nun auf dem Bauch, den Kopf unter den Kissen vergraben, als wolle sie damit die Gedanken stoppen, die ihr unablässig durch den Kopf gingen und einfach nicht aufhören wollten. Sie brauchte keinen Blick auf den Radiowecker neben sich zu werfen, um zu wissen, wieviel Uhr es war. Dieses besondere Talent, so vorteilhaft es sonst sein mochte, wurde in letzter Zeit immer mehr zum Fluch. Die Sekunden, Minuten und Stunden tickten unaufhörlich in ihrem Kopf. Sie überlegte, ob sie aufstehen und eine Dusche nehmen sollte, aber sie wollte Harm nicht wecken. Es war früh genug, wenn sie ihm morgen früh wieder gegenüberstehen mußte. Außerdem wußte sie aus Erfahrung, daß auch eine Dusche nicht helfen würde, sie endlich schlafen zu lassen. Nichts half. Je verzweifelter sie versuchte, einzuschlafen, desto länger lag sie wach. Einige Minuten später konnte sie einfach nicht mehr still liegen und schwang leise die Beine aus dem Bett, tappte im Dunkeln ins Badezimmer, um sich ein Glas Wasser zu holen. In Situationen wie diesen wünschte sie sich manchmal, das Glas enthielte Alkohol. *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *»
1428 Z-Zeit (04:28 Uhr Alaskan Time) Harm erwachte, ohne zu wissen, was ihn geweckt hatte. Um ihn herum war es dunkel, alles war absolut ruhig. Trotzdem wurde er das Gefühl nicht los, daß irgendetwas nicht in Ordnung war. Vorsichtig tastete er zu Mac hinüber, aber ihre Seite des Bettes war leer. Einen Moment lang stieg fast Panik in ihm auf, dann gewöhnten sich seine Augen an die Dunkelheit und er sah sie am Fenster stehen. Er setzte sich auf und knipste das Licht an. "Mac? Irgendwas nicht in Ordnung?" Er sah, wie Mac zusammenzuckte, sich aber nicht zu ihm umdrehte. "Alles okay, schlafen Sie weiter." murmelte sie. Harm schlug die Decke zurück und ging zu ihr hinüber. Vielleicht war sie jetzt ruhig genug, um zu reden. "Mac?" Sie drehte sich halb zu ihm um. "Hm?" Sie sah tatsächlich nicht mehr wütend aus, sondern einfach nur noch müde. In ihrem Blick lag etwas, was darüber hinausging ... Resignation, Verzweiflung? Harm hätte es nicht sagen können. "Mac, ist wirklich alles okay? Können Sie nicht schlafen?" erkundigte er sich behutsam. "Alles okay," bestätigte Mac mit Nachdruck. "Wirklich? Sie haben kaum geschlafen, seit wir hergekommen sind. Sie essen auch nicht richtig. Ich beginne wirklich, mir Sorgen zu machen." murmelte Harm. "Haben Sie schon wieder vergessen, was ich von Ihrem Beschützerinstinkt halte?" fragte Mac scharf, "Sie wissen, daß ich nicht viel Schlaf brauche." Das wußte Harm tatsächlich. Mac pflegte, früh aufzustehen und ihre 15 Meilen zu laufen und sie blieb nachts meist lange auf. Er konnte sich daran erinnern, daß sie um ein Uhr nachts noch irgendwelche Dinosaurier-Knochen bepinselt hatte, als er auf der Flucht vor der Polizei bei ihr Zuflucht gesucht hatte. Auch in Moskau war sie wach gewesen, wann immer er aufgewacht war. Aber er spürte, daß da mehr war, als sie zugeben wollte. "Mac, es gibt einen Unterschied zwischen nicht viel Schlaf und gar keinem Schlaf. Hören Sie, vergessen Sie einfach mal, wie das in den letzten Wochen so zwischen uns gelaufen ist. Ich bin immer noch Ihr Freund," sagte Harm sanft, "Wollen Sie darüber reden?" Behutsam legte er ihr die Hände auf die Schultern. Mac biß die Zähne zusammen. Sie wußte, wenn sie jetzt zuließ, daß er die dicken Schutzmauern, mit denen sie sich umgeben hatte, durchdrang, dann würde sie zusammenbrechen. "Erstens, Commander, ist hier niemand, der uns sehen könnte, also brauchen Sie nicht so zu tun, als ob Sie mich auch nur einigermaßen leiden könnten; Sie können sich Ihre schauspielerischen Fähigkeiten für später aufsparen!" "Mac, ich brauche nicht nur so zu tun, ich kann Sie wirklich gut leiden," widersprach Harm und fügte in Gedanken traurig hinzu: "obwohl ich im Moment Probleme habe, mich zu entsinnen, wieso." "Zweitens," fuhr Mac fort, als hätte er gar nichts gesagt, "zweitens gibt es nichts zu reden. Ich habe keine Probleme, ich brauche keine Hilfe und vor allem nicht Ihre! Und drittens: Nehmen Sie Ihre Hände da weg oder ich tue es für Sie!" Angesichts seiner schmerzenden Lippe hielt Harm es für besser, ihrem Wunsch zu entsprechen und nahm die Hände von ihren Schultern. "Ist es etwas, was ich getan habe?" wollte er wissen, "Ich kann mich nicht erinnern, irgendetwas getan zu haben, was ich nicht schon hundertmal vorher getan hätte. Trotzdem verhalten Sie sich so völlig anders mir gegenüber. Wir reden nicht mehr miteinander. Und wir wissen nicht einmal mehr, um was wir uns eigentlich streiten." Mac schien nicht die geringste Absicht zu haben, sich auf dieses Gespräch mit ihm einzulassen. "Harm, gehen Sie ins Bett." befahl sie müde. "Ich denke nicht daran, ins Bett zu gehen! Ich möchte jetzt darüber reden!" widersprach Harm energisch. "Und ich bin es leid zu reden; ich habe die ganzen letzten Monate über geredet und geredet und Sie haben nicht zugehört." Harm kratzte sich am Kopf. "Hab ich da irgendetwas verpaßt? Sie haben geredet? Mit mir? Geredet, nicht angeschrien, meine ich." Seine Stimme war bitter und etwas verwirrt. "Mac, kommen Sie, reden Sie mit mir, irgendetwas stimmt doch nicht mit Ihnen." "Hey, versuchen Sie nicht, mich zu psycho-analysieren! Sie vergessen wohl, daß Sie nicht wirklich Psychologe sind! Ich sage es nochmal, ich will jetzt nicht reden und es gibt nichts, was Ihnen Sorgen machen müßte. Ich ... stehe einfach nur etwas unter Streß, okay? Und jetzt gehen Sie wieder ins Bett!" Sie versuchte, ihre Stimme ruhig zu halten. Harm zögerte, doch er wußte, daß er sie nur weiter hinter ihre selbsterrichteten mentalen Schutzwälle zurücktreiben würde, wenn er jetzt nicht nachgab. "Okay, aber wenn Sie Ihre Meinung ändern..." Als Mac nicht reagierte, ging er zum Bett zurück. "Harm?" Er blieb stehen und drehte sich zu ihr um. "Ja?" Eine Sekunde hoffte er, daß sie endlich mit ihm sprechen, ihm alles erzählen würde, aber er hätte es besser wissen müssen. "Tut mir leid mit Ihrer Lippe." sagte sie leise in die Dunkelheit, den Rücken zu ihm. "Schon gut." brummte Harm. Seine Lippe war wirklich das Letzte, was ihm jetzt Sorgen machte. "Nein, es ist nicht gut!" widersprach Mac unerwartet heftig. "Ich meine es ernst! Ich bin zu weit gegangen!" "Hey, ich hab schon Schlimmeres überlebt, das macht mir nichts aus." versicherte Harm beruhigend. Mac konnte sich erinnern, daß er etwas ganz Ähnliches gesagt hatte, nachdem sie sich in betrunkenem Zustand über den "rechtschaffenen, makellosen" Harmon Rabb junior lustig gemacht hatte und sogar eine fiese Bemerkung über seinen "lange verschollenen Vater" machte. Sie wußte, daß er so ziemlich jeden Anderen, der das Andenken an seinen Vater verspottete, vermutlich mit bloßen Händen erwürgt hätte, aber zu ihr hatte er nur freundlich gesagt: "Ich hab schon Schlimmeres gehört, das macht mir nichts aus." Seine Freundlichkeit machte alles noch viel schlimmer für sie. Sie drehte sich wieder zum Fenster um und wußte, daß sie heute nacht sicher keinen Schlaf mehr finden würde. Harm lag im Bett und wußte, daß für ihn das gleiche galt. TBC |