Chapter 3 2203 Z-Zeit (12:03 Uhr Alaskan Time)Flugplatz der US-Navy Valdez, Alaska Harm sah sich für einen Moment um und nahm die neue Umgebung in sich auf. Auf der kurzen Rollbahn lag Schnee und am Himmel zog ein Schwarm Wildgänse vorbei. Ansonsten gab es auf der kleinen Militärbasis wirklich nicht viel zu sehen. Harm reckte die verspannten Schultern, bevor er sein Gepäck mitsamt Gitarre, Webb hatte ihnen gesagt, sie sollten einige persönliche Gegenstände mitbringen, um glaubhafter zu wirken, wieder aufnahm und Mac folgte. Er war müde, denn obwohl es in Alaska erst 12 Uhr sein mochte, so war es Zuhause, in Washington, bereits 17 Uhr und sie hatten die letzten neun Stunden an Bord einer V-22 Osprey verbracht, die sie nach Valdez, im Süden Alaskas, geflogen hatte. Harm fragte sich wieder einmal ein wenig verwundert, welche Hebel Webb in Bewegung gesetzt hatte, um von der Navy eines dieser Kipprotorflugzeuge zu erhalten. Die V-22 startete zwar ebenfalls senkrecht, kippte dann aber ihre Propeller und war in der Lage, schneller als jeder Hubschrauber zu fliegen. Ihnen waren so einige zusätzliche, ermüdende Stunden Flug erspart geblieben. Die restlichen 1.000 km würden sie an Bord eines Militär-Helikopters zurücklegen, was wiederum einige Stunden in Anspruch nehmen würde. Harm konnte sich jetzt schon vorstellen, wie er sich dann fühlen würde. Harm warf einen Blick zu Mac hinüber, die mit schnellen Schritten vor ihm herging. Wie Harm trug sie Hosen und einen warmen Militärparka. Sie hatte, seit sie Dulles verlassen hatten, kaum fünf Sätze mit ihm gesprochen, sondern sich nur in den Bericht über das I.C.E.-Projekt und ihre neue Identität vertieft. "Ich bin müde, können Sie sich BITTE mal etwas beeilen?!" kam Macs Stimme von vorne. Das Bitte klang nicht eine Spur höflich. Harm nickte und ging schneller. Mac war gereizt und müde, so wie er, und wollte sicherlich nur noch ins Bett fallen und schlafen. Das war es jedenfalls, was Harm jetzt am liebsten getan hätte. Nach drei weiteren Schritten in Richtung Hubschrauber stellte er fest, daß Mac hinter ihm zurückgeblieben war. "Hey, Mac, Sie waren doch diejenige, die es so eilig hatte, also kommen Sie schon!" forderte er sie auf, nun selbst ein wenig ungeduldig. Als er sich zu ihr umdrehte, sah er, daß sie ihre Boxhandschuhe, die über ihrer Tasche hingen, verloren hatte und zurückgeblieben war, um sie wieder aufzuheben. "Sind das ihre persönlichen Gegenstände?" fragte er sich unwillkürlich. Jedenfalls paßten sie zumindest zu der Stimmung, in der Mac derzeit war. *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *»
0236 Z-Zeit (16:36 Uhr Alaskan Time) Mac konzentrierte sich auf die feste Schneefläche vor sich, um nicht auszurutschen, und blieb kurz stehen, als hinter ihnen der Hubschrauber wieder abhob, wobei er Unmengen von Schnee aufwirbelte. Mac war während ihres Dienstes im Corps schon weit herumgekommen; Bosnien, Japan, Irland, Iran, Rußland und einige andere Orte, aber so weit im Norden war sie noch nie gewesen. Die Sonne stand hier in einem anderen Winkel als in Washington. Der Himmel wirkte blaßgrau und wenn sie in die Ferne sah, konnte sie nicht genau sagen, wo am Horizont der schneebedeckte Boden endete und der Himmel begann. Die ungewohnte Kälte ließ sie trotz ihres gefütterten Anoraks frieren. Mac hatte den Winter nie besonders gemocht, vermutlich war sie zu lange mit ihrem Onkel Matt O’Hara auf der Suche nach Dinosaurierspuren in der Halbwüste Arizonas gewesen. Im Stillen verfluchte sie Webb und fragte sich bereits jetzt, mit welcher Mission er wohl beim nächsten Mal aufkreuzen würde, um das hier noch zu übertreffen. Sie bezweifelte, daß es überhaupt noch möglich war. Obwohl, das hatte sie nach ihrem letzten Abenteuer in der sudanesischen Botschaft auch gedacht und nun war sie hier. Mac vergaß einen Moment, auf den Boden zu achten und stolperte über eine Bodenwelle, strauchelte leicht. Starke Hände griffen fürsorglich nach ihrem Ellenbogen und halfen ihr, bis sie ihr Gleichgewicht wiedergefunden hatte. Harm wußte, daß Mac solchen Gesten im Moment nicht gerade viel Begeisterung entgegenbrachte und er vielleicht wieder "machohafte Pseudohöflichkeit" vorgeworfen bekam, aber er konnte nicht anders, er mußte ihr einfach helfen, auch wenn sie sich dann vielleicht bevormundet vorkam. Ein Blick in Macs Gesicht sagte ihm, daß es ein Fehler gewesen war. "Aber was zum Teufel hätte ich tun sollen? Ich kann sie doch nicht mitten in dieser Eiswüste und vor allen Leuten aufs Gesicht fallen lassen!" Mac warf ihm einen bitterbösen Blick zu. "Okay, vermutlich hätte ich sie fallen lassen sollen!" sagte sich Harm. Mac riß ihren Arm so unsanft aus seinem freundlichen Griff, daß seine Finger schmerzhaft nach hinten gebogen wurden. Aber was wirklich schmerzte, war der Ausdruck ihrer Augen. Eilig ließ er sie los und hoffte, daß die Forscher, die vor einem der niedrigen Gebäude standen, um sie zu begrüßen, nichts von dem Zwischenfall gesehen hatten. *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *»
0245 Z-Zeit (16:45 Uhr Alaskan Time) Der Komplex des I.C.E.-Projektes bestand aus einem Haupthaus, in dem die sechs Ehepaare jeweils getrennte Arbeits-und Wohnräume hatten und in dem sich auch ein Speisesaal und der Aufenthaltsraum befanden, sowie aus einer Ansammlung kleinerer Gebäude. Harm vermutete, daß es vor allem Lagerhallen für Vorräte und technische Ausrüstung waren. Draußen war es zu kalt für eine längere Begrüßung und so wurden sie direkt nach innen geführt, in den großen Aufenthaltsraum. Erleichtert legten Harm und Mac ihr Gepäck ab und setzten sich. Ein großer hagerer Mann in der Uniform eines Commanders der US-Navy übernahm die Vorstellung. Eigentlich hätten Harm und Mac gut darauf verzichten können, denn sie kannten die Dienstakten der zwölf Mitarbeiter des ICE-Projektes beinahe auswendig, doch das konnten sie ihren neuen "Kollegen" natürlich schlecht sagen und deshalb hörten sie höflich zu. Der Navy-Commander war Ishmael Daniels, ein Klimaforscher, der zusammen mit seiner Frau, Commander Melissa Daniels, einer Eiskernspezialistin, arbeitete. Sie waren beide Mitte 40 und in ihren Akten gab es nichts, was irgendwie besonders war. Harm hatte beobachtet, wie sie sich seit ihrem Eintreten bis zum Aufenthaltsraum gestritten hatten. "Ishmael! Gott," dachte Harm, "und ich dachte immer, Harmon wäre ein ungewöhnlicher Name! Aber vielleicht sollte er seinen Eltern dankbar sein, daß sie ihn nicht Jack genannt haben." Die ältesten Bewohner der Station waren Oberstleutnant Sergeij Pedowkin und Hauptmann Marianka Pedowkin, zwei russische Geophysiker Anfang 50. Die beiden wirkten wie freundliche Großeltern und Harm konnte sich nicht so recht vorstellen, daß sie wirklich beim russischen Militär dienten. Vermutlich nur, weil es in Rußland kaum lohnende zivile Forschungsprojekte gab. Yoshiaki und Yumiko Nishida, zwei Ingenieure irgendeiner japanischen Erdöl-Firma, deren Name Harm vergessen hatte, saßen nebeneinander auf der Couch und hatten bisher noch nichts gesagt, lächelten nur höflich. Sie waren noch ziemlich jung, um die 30 und Harm nahm an, daß man sie praktisch dazu verdonnert hatte, hier, an diesem unwirtlichen Ort, zu arbeiten. Das andere japanische Ehepaar, Kenichi und Myoki Akimoto, zwei Geophysiker, waren laut Commander Daniels gerade unterwegs an der Küste und würden erst morgen oder übermorgen wiederkommen. Neben den Japanern saß eine schlanke, hübsche Frau mit kupferrotem, im Nacken zusammengebundenem Haar und grünen Augen. Ishmael Daniels stellte sie als Anna Tschechow vor. Harm hatte gelesen, daß sie Ende zwanzig und Mikrobiologin war. Scheinbar hatte sie eine große Karriere vor sich, ebenso ihr Mann. "Wo ist der übrigens?" fragte sich Harm. In diesem Moment bog ein Mann um die Ecke, bei dem es sich nur um Nikolai Tschechow handeln konnte. Harm und Mac mußten sich beherrschen, ihn nicht anzustarren. Der Meeresbiologe war mindestens so groß wie Harm, aber sicher 20 kg schwerer und um einiges breiter gebaut. Seine Hände sahen aus, als könne er damit Wasser aus Felsen pressen. Harm mußte fast lachen, als er Tschechow mit seiner eher zierlichen und gerade 1,70m großen Frau verglich. "So stelle ich mir den Bruder von Arnold Schwarzenegger vor." raunte er Mac zu. "Ja," flüsterte Mac zurück, "den großen Bruder." "Entschuldigen Sie, daß ich erst jetzt komme, aber ich dachte mir, Sie könnten sicher etwas zum Aufwärmen gebrauchen." sagte der riesenhafte Mann in erstaunlich gutem Englisch. Selbst Macs geübte Ohren nahmen kaum einen Akzent wahr. Er lächelte sie freundlich an. Sein Blick war weitreichend und ruhig, wie ihn nur Leute haben, die es gewohnt sind, bis zum Horizont blicken zu können. Er hatte eine ruhige, fast sanfte Art, die Vertrauen erweckte. "Falls ich mich noch nicht vorgestellt hat: Ich bin Nikolai Wassiljewitsch Tschechow und bevor Sie fragen, nein, ich bin nicht mit dem großen Anton Tschechow verwandt, obwohl ich aus der Taiga stamme." sagte der Russe mit seinem tiefen Baß. Niemand bemerkte Harms leichtes Zusammenzucken, niemand außer Mac. Sie wußte, welche schmerzlichen Erinnerungen die russische Taiga und das auch noch in Verbindung mit dem Namen Tschechow in Harm hervorrief. Sein Vater, nach dem er 18 Jahre lang gesucht hatte, war dort an irgendeinem unbekannten Ort begraben. Sie wußte, daß es Harm auch jetzt noch weh tat, auch wenn es schon eine Weile her war. Trotz ihres seit Wochen andauernden Zorns auf Harm und ihrer ständigen Streitereien, fühlte sie noch immer mit ihm. Harm zuckte ein zweites Mal zusammen, als sich Macs kalte Hand kurz auf seinen Unterarm legte. Das hatte sie schon ewig nicht mehr getan! Dankbar drückte er für einen Moment ihre Hand und wünschte sich, dieser streitlose Zustand würde anhalten. Die anderen Bewohner der Forschungsstation beobachteten die Geste lächelnd, hielten sie wohl für ein Zeichen der Zuneigung zwischen Eheleuten. Nikolai Tschechow schob ihnen zwei große Tassen hin. "Hier, zum Aufwärmen." meinte er gutmütig. Harm nahm seine dampfende Tasse dankbar entgegen und nippte vorsichtig. "Was ist das?" erkundigte er sich. "Tee mit Rum." antwortete der Russe. "Wohl eher Rum mit Tee, hm?" meinte Harm und nahm einen Schluck. Mac schob ihre Tasse etwas enttäuscht von sich, obwohl sie etwas Heißes wirklich hätte gebrauchen können. Sie hoffte, daß niemand es bemerkte. Natürlich hatte sie kein solches Glück. "Keine Angst, das wird Sie schon nicht gleich umhauen," beruhigte sie Ishmael Daniels, "Nikolai ist nicht gerade der typische wodka-vertilgende Russe." Seine Frau warf ihm für diese Bemerkung einen scharfen Blick zu. Mac zögerte, wußte nicht, was sie antworten sollte. "Meine Frau trinkt keinen Alkohol." half Harm ihr aus der Misere. Er mußte ein wenig Grinsen, als er "meine Frau" sagte. Die Wissenschaftler schienen das Lächeln und die Aussage, Mac trinke keinen Alkohol, jedoch anders zu interpretieren. "Man hat Ihnen doch aber sicher gesagt, daß Sie diesen paradiesischen Ort umgehend verlassen müssen, wenn Ihre Frau schwanger wird, oder?" fragte Sergeij Pedowkin scherzhaft. Harm verschluckte sich beinahe an seinem Tee. "Uh, ja, keine Sorge, das ist es nicht. Sarah hat eine genetisch bedingte Alkoholunverträglichkeit." Der japanische Erdöl-Ingenieur Yoshiaki Nishida nickte ruhig. "Das ist in Japan recht häufig." Auch er sprach recht gutes Englisch, wenn auch nicht ganz so flüssig wie Tschechow. Mac räusperte sich. "Ich glaube mein Gatte", sie gab Harm einen Klaps auf den Arm, "hat vergessen, uns vorzustellen. Ich bin Lieutenant Colonel Sarah Roberts und das ist mein Mann, Commander Harmon Roberts. Er ist Psychologe und ich arbeite als Geologin." Webb hatte beschlossen, daß es besser war, sich wann immer es ging so nahe an der Wahrheit wie möglich zu halten, damit sie sich nicht in Lügengeschichten verstrickten. So waren also ihre Ränge die Gleichen geblieben. "Man hat Sie uns schon angekündigt. Später ist noch mehr Zeit zum Reden, Sie wollen sicher erstmal auspacken und sich ausruhen." meinte Marianka Pedowkin freundlich.
Sie nahmen ihr Gepäck und die beiden Tschechows führten sie den Gang entlang. "Wir sind Ihre Nachbarn zur linken und rechts von Ihnen wohnen Ishmael und Melissa." Harm öffnete die Tür und sie traten ein. ""Ach ja, Home sweat home," kommentierte Harm grinsend. Mac ignorierte ihn und sah sich um. Ihre "Wohnung" war recht klein: es gab ein Schlafzimmer, ein kleines Badezimmer und ein Büroräumchen mit zwei Schreibtischen und ein paar technischen Geräten. Auch die Einrichtung war nicht gerade üppig. Das Schlafzimmermobiliar bestand aus einem Schrank, einem Spiegel, zwei Nachttischen und einem breiten Bett. Keine Couch, nicht einmal ein Sessel. Mac brummte vor sich hin. Harm setzte seine Tasche ab und öffnete den Schrank, während Mac das Badezimmer inspizierte. "Okay, drei Dinge." sagte sie, als sie wieder zum Vorschein kam. Harm sah auf. "Ich weiß, ich weiß: Ja, ich werde die Zahnpastatube ordentlich von hinten nach vorne ausdrücken. Nein, ich schnarche nicht und ich werde auch nicht die Toilettenbrille oben lassen, keine Angst." Er grinste. Einen Moment lang mußte sogar Mac beinahe lachen. Beinahe. Sie rollte mit den Augen. "Nein, das meine ich nicht, obwohl ich es Ihnen geraten haben will." "Dir." "Was?" Mac sah ihn verständnislos und verärgert an. "Obwohl ich es dir geraten haben will. Wir sind verheiratet, schon vergessen, Schatz?" erinnerte Harm grinsend. "Das ist eines der drei Dinge. Ich halte es nicht für besonders überzeugend, wenn wir ständig vermeiden, uns mit Namen anzusprechen. Und solche Kosenamen können Sie Ihrer ..." Harm hob mahnend die Hand. " ... okay! ... solche Kosenamen kannst du deiner Hollywood-Queen geben, aber ich will sowas weder hören, noch geht es mir leicht über die Lippen." grollte Mac. Harm runzelte ein wenig die Stirn. Er hatte Mac nicht erzählt, daß er seit voriger Woche nicht mehr mit Renée zusammen war. Er stand praktisch vor den Trümmern einer Beziehung, wieder einmal. Keine seiner Partnerschaften hatte sehr viel länger als ein halbes Jahr gehalten. Er erinnerte sich noch gut daran, wie die Beziehung zu Annie in die Brüche gegangen war. "Es kann nicht immer alles klasse laufen, mit keiner Frau. Sie können von Glück sagen, wenn es 5 Tage pro Monat gutgeht." hatte er damals zu Bud gesagt und Mac hatte eingewandt: "Oh, wie sich das anhört!" Scheinbar war sie tatsächlich besser in solchen Beziehungsangelegenheiten, als er es war, denn sie war noch immer mit Mic Brumby liiert, auch wenn es eine Beziehung über große Distanz war. Ein Schuh kam in seine Richtung geflogen. "Harmon! Ich rede mit Ihnen ... dir!" fauchte Mac ihn an. Harm fragte sich, wieviele ihrer berüchtigten Schuhe sie eingepackt haben mochte. "Sorry, Mac, ich war wohl in Gedanken." "Sie sollten sich lieber Gedanken darüber machen, wie wir uns ansprechen, ohne allzusehr aufzufallen unter dieser Horde glücklich Verheirateter!" knurrte Mac. "Wir bleiben einfach bei dem, was wir gewohnt sind." schlug Harm vor. Er liebte die Spitznamen, mit denen Mac ihn manchmal anredete, auch wenn er es nie zugegeben hätte. "Was sind die beiden anderen Dinge, von denen Sie ... von denen du gesprochen hast?" "Sie sollten zusehen, daß Sie möglichst bald ein paar psychologische Beratungsgespräche führen und ich werde einen der Geophysiker, die Pedowkins oder so, bitten, mir das Geo-Labor zu zeigen. Vielleicht bekommen wir so ein paar Hinweise. Je schneller wir die Ermittlungen abgeschlossen haben, desto schneller können wir hier weg." Harm zog es vor, zu Macs Wunsch, möglichst schnell hier wegzukommen, nichts zu sagen. Es würde nur wieder zu einem neuen Streit führen. "Ähm, Mac ... Da gibt es noch was, was wir beachten sollten. Na ja, ich meine, die ... körperliche Seite dieser Beziehung. Von Ehepaaren wird erwartet, daß sie sich umarmen, küssen ... ähm." Vermutlich hörte er sich jetzt wie Bud in der Zeit vor seiner Hochzeit mit Harriet an. Mac drehte sich um und funkelte ihn ärgerlich an. Für eine Sekunde lang war Harm überzeugt, daß sie ihm ein rotes Licht geben oder eine Bemerkung wie "In Ihrem Träumen, Commander!" machen würde, aber sie sah ihn nur weiterhin böse an. "Ach, und Sie glauben, das könnte ich nicht vortäuschen? Tut mir leid, Ihr Ego beschädigen zu müssen, aber das haben Frauen schon seit biblischen Zeiten getan!" sagte sie hart. "Ach ja?" Harm blieb skeptisch, weniger was die Frauen seit "biblischen Zeiten" betraf, sondern in Bezug auf Mac und ihn. In letzter Zeit machte sie den Eindruck, es kaum ertragen zu können, dieselbe Luft wie er zu atmen und ihre Reaktion von vorhin, als er sie nur vor einem Sturz hatte bewahren wollen, sprach Bände. "Ach ja. Überrascht mich aber nicht, daß Sie mir nicht glauben," meinte Mac schnippisch, "ein typisch männlicher Charakterzug." "Typisch männlicher Charakterzug? Ich denke, Sie sind ein wenig zu lange in Brumbys Gesellschaft gewesen." brummte Harm. Mac war schon wieder auf hundertachtzig. "Wie kommt es, daß Sie nie auch nur ein gutes Haar an den Männern lassen, mit denen ich mich verabrede?" warf sie ihm vor. "Kommt wohl daher, daß Sie einen lausigen Geschmack haben, was Männer betrifft." konterte Harm unbeeindruckt. Nicht einen einzigen vernünftigen Kerl hatte Mac in den vergangenen vier Jahren angeschleppt! Bevor Mac entscheiden konnte, ob sie einfach nur zurückschreien, ihm an die Kehle springen oder den Rest ihres Schuhschrankes nach ihm werfen sollte, klopfte es. "Reißen Sie sich zusammen, Colonel!" warnte Harm. "Ich möchte dem Admiral nicht erklären müssen, wieso unsere Tarnung schon am ersten Tag aufgeflogen ist." "Vielen Dank für die freundliche Belehrung, Commander!" schnappte Mac und in Richtung Tür in freundlicherem Tonfall: "Herein." Yumiko Nishida, die zierliche Japanerin, trat ein. "Entschuldigen Sie die Störung, aber das Essen ist fertig. Wenn Sie hungrig sind ..." "Soll das ein Witz sein? Meine Frau ist ein Marine. Die sind immer hungrig." meinte Harm grinsend. Mac warf ihm einen grimmigen Blick zu, aber als Yumiko sich zu ihnen umdrehte, griff sie mit einem zuckersüßen Lächeln nach Harms Hand und zog ihn hinter sich her. *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *»
0411 Z-Zeit (18: 11 Uhr Alaskan Time) Der Speisesaal bestand eigentlich nur aus einem langen Tisch, um den sie nun alle herum saßen, und einer angrenzenden Küche. Melissa Daniels erklärte ihnen, daß sie sich mit dem Kochen abwechselten. "Wie wäre es, wenn Sie und Sarah das morgen übernehmen, Harm?" meinte Ishmael. Alle Bewohner der Station schienen sich mit dem Vornamen anzusprechen. "Oh, sicher. Aber vielleicht sollte man besser alle vorher warnen, nicht, Ninjagirl?" fragte Harm scherzhaft und schlang leicht einen Arm um ihre Schulter. Mac schluckte im letzten Moment eine scharfe Antwort herunter. "So schlecht kochst du nun auch wieder nicht, Flyboy es sei denn, du machst deine fleischlosen Fleischklöße." gab sie schlagfertig zurück. Mac hatte ihn lange nicht mehr "Flyboy" genannt, nicht einmal mehr "Sailor" oder "Stickboy", selbst ein einfaches "Harm" hatte sie vermieden. Erst jetzt bemerkte Harm, wie sehr er es vermißt hatte. "Keine Sorge, schlimmer als Nikolais Borschtsch kann es gar nicht sein." warf Anna Tschechow ein und warf ihrem Mann einen humorvollen Blick zu, während sie seine Kohlsuppe löffelte. Der riesenhafte Mann wurde zu Harm und Macs Überraschung sogar etwas rot. "Flyboy?" fragte Melissa Daniels lächelnd und wünschte, ihre Ehe mit Ishmael wäre noch so glücklich, wie die der beiden. In letzter Zeit schienen sie sich nur zu streiten und der Aufenthalt in der engen Station verbesserte ihr Eheklima nicht gerade. Harm erstarrte. Hier war er Psychologe, kein Pilot! Mac lächelte. "Sie wissen doch, was man über Psychologen sagt, daß jeder selbst einen kleinen Tick hat. Harms Tick ist die Fliegerei. Er hat den Pilotenschein und besitzt einen alten Doppeldecker." erklärte sie geistesgegenwärtig. Harm atmete auf. Manchmal war Mac einfach genial, das mußte er zugeben. "Einen Doppeldecker?" erkundigte sich Ishmael Daniels interessiert. Harm nickte. "Eine Stearman. Sie heißt Sarah." Melissa versetzte ihrem Mann einen Stoß mit dem Ellenbogen. "Auf so eine Idee wärst du ja nie gekommen!" warf sie ihm vor. Daniel grunzte nur. Harm lachte in sich hinein. Wenn das so weiterging, würden bald alle hier überzeugt sein, daß sie die perfekte Ehe führten. "Und was hat es mit Ninjagirl auf sich?" wollte Yoshiaki Nishida wissen. "Sagen Sie nicht, Sie haben japanische Vorfahren!" Er sah Mac an. Jetzt war es an Harm, eine Erklärung abzuliefern. "Würde mich nicht wundern." meinte er mit einem Flieger-Lächeln,. "Sarahs Genpool ist ein ziemlich bunter Mix. Ihre Urgroßmutter war eine Cherokee, ihre Großmutter war Persierin und einige Schotten und Schweizer waren auch unter ihren Vorfahren." "Ich habe nur das Beste aus allen Kulturen geerbt!" behauptete Mac spitzbübisch. "Ich würde niemals wagen, etwas Anderes zu behaupten, Marine." entgegnete Harm und genoß es, sich wieder einmal mit Mac zu necken, auch wenn es nur für ihr "Publikum" war. Marianka Pedowkin schob ihren leeren Teller zurück. "Erzählen Sie doch mal was über sich!" forderte sie die beiden Neuankömmlinge auf, "hier können die Abende ziemlich lang sein und die Geschichten der anderen kann ich schon auswendig." Sie zwinkerte. "Also, wie haben Sie sich kennengelernt?" Mac stöhnte innerlich. "Tja, das war in einem Rosengarten." erklärte sie und lächelte hintergründig. Marianka machte große Augen. "Meine Güte, wie romantisch!!" Die Russin war entzückt. "Und wie lange sind Sie jetzt schon zusammen?" erkundigte sie sich neugierig. "Fast vier Jahre." antwortete Harm und lächelte ebenfalls. "Drei Jahre, 11 Monate und 21 Tage." korrigierte Mac. Die anderen sahen sie groß an. Harm grinste. "Oh, denken Sie sich nichts dabei, das macht sie ständig. Sie kann Ihnen jederzeit sagen, wie spät es ist, ohne auch nur einen Blick auf die Uhr zu werfen. Sie irrt sich nie um mehr als dreißig Sekunden, nichtmal bei der Umstellung zur Sommerzeit." erklärte er mit sichtlichem Stolz, den er nichtmal vorzutäuschen brauchte. Harm hätte es nie zugegeben, aber er mochte es, wenn sie eine ihrer Zeitangaben machte. Obwohl er sie fast jedesmal danach fragte, wie sie das anstellte, wollte er es eigentlich gar nicht wissen. Es war Teil eines Geheimnisses und er wollte es nicht zerstören. "Unsere Versetzung hierher kam etwas plötzlich," ergriff Mac die Gelegenheit, "weil hier so unerwartet zwei Stellen frei wurden." Die Stimmung im Raum schlug von einer Sekunde auf die andere völlig um. Die gelöste Heiterkeit verwandelte sich in leise Trauer und ein wenig Sorge. "Ja, allerdings, das kam plötzlich," brummte Cmd. Ishmael Daniels, "Ihre Vorgänger, Scott und Cindy, sind vor drei Tagen verschwunden." Harm und Mac vermuteten, daß mehr dahintersteckte, ansonsten wären sie jetzt nicht hier. Weder die CIA noch die Navy neigten dazu, Unfälle oder geheimnisvolles Verschwinden zu untersuchen. Beide hatten natürlich die Akten der Vermißten gelesen. Lieutenant Commander Scott Reardon war Systemtechniker und seine Frau, Lieutenant senior grade Cindy Reardon, arbeitete als Geophysikerin. Natürlich hatte Harm sich etwas gewundert, was ein Systemtechniker in Alaska zu suchen hatte und an welchem Projekt wohl ein Systemtechniker gemeinsam mit einer Geophysikerin arbeiten konnte. In einer Akte mit dem Vermerk "streng geheim", die ganz unten in dem Ordner von Webb gewesen war, folgte dann die Erklärung: Scott Reardon war Ingenieur für militärische Luft- und Raumfahrt und ein anerkannter Spezialist für die neue Stealth-Technik, die in den letzten Jahren jede größere Nation eingeführt hatte. Stealth-Flugzeuge wie der B-2 Spirit-Tarnkappenbomber oder die F-117A Nighthawk besaßen eine Außenhülle, die elektrische Wellen absorbierte und sie daher fast unsichtbar für das Radar fremder Flugzeuge und Bodenstationen machte. Ein solches Flugzeug konnte fast unentdeckt in Feindgebiet eindringen und so von entscheidendem Vorteil im Kriegsfall sein. Zwei große amerikanische Firmen konkurrierten derzeit um einen Entwicklungsauftrag von Navy und Air Force: McDonnell Douglas hatte als Nachfolger für die F-15 den Luftüberlegenheitsjäger YF-23 vorgeschlagen, während Lockheed die kleinere, aber wendigere F-22A Lightning in Planung hatte. Aber nun war etwas geschehen, was die Stealth-Technik praktisch revolutionieren konnte: Zwei Mitarbeiter der Navy hatten mitten in Alaska, unter Eis und Schnee ein Material entdeckt, das, entsprechend abgebaut und veredelt, vielleicht eine noch bessere Tarnung erlauben würde. Niemand auf der Station wußte, an was Scott und Cindy Reardon gearbeitet hatten, so hieß es jedenfalls offiziell. Ob dem wirklich so war und ob ihr vermutlicher Tod etwas mit ihrer brisanten Arbeit zu tun hatte, mußte erst noch herausgefunden werden und genau das war Harm und Macs Aufgabe. "Was genau meinen Sie mit verschwunden?" erkundigte sich Mac. "Ich meine, zwei erwachsene Menschen und Militär-Offiziere verschwinden doch nicht einfach so spurlos und dazu noch in Alaska, wo sie sich nicht einfach ins nächste Flugzeug setzen können!" "Ich weiß," seufzte Ishmael Daniels, "aber genau so ist es passiert. Scott und Cindy wollten irgendetwas draußen an ihrer Bohrstation nachsehen, keine Ahnung, worum es dabei ging, hier draußen mischt sich niemand in die Arbeit der anderen. Als sie am nächsten Tag noch nicht zurück waren, begannen wir uns Sorgen zu machen. Sie hatten nicht genug Proviant und Ausrüstung dabei, um so lange weg zu bleiben. Die Bohrstelle war jedoch verlassen." "Und wieso heißt es dann, die beiden seien tot?" fragte Harm. Er wußte aus eigener Erfahrung, daß die Navy sehr vorsichtig mit solchen Behauptungen war. Solange nicht eindeutige Beweise vorlagen, wurden die Betroffenen unter dem Vermerk "vermißt" geführt sein Vater, Harmon Rabb senior, hatte beinahe 30 Jahre lang als vermißt gegolten. "Wir fanden ihren Gaskocher, ihr Zelt und ihre Parkas. Wie lange glauben Sie, kann man bei minus 20° C da draußen ohne das überleben?" meinte Melissa ernst. Harm und Mac wechselten einen stummen Blick. *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *» *»
0723 Z-Zeit (21:23 Uhr Alaskan Time) Harm schloß die Zimmertür hinter sich und lehnte sich für einen Moment müde dagegen. Sie waren inzwischen seit fast 22 Stunden ununterbrochen auf den Beinen und die endlosen Stunden im Hubschrauber waren ermüdend gewesen. Er wollte bloß noch eine Dusche und 12 Stunden Schlaf. Wenn er es sich recht überlegte, war er sogar so müde, daß er auf das Erstere beinahe verzichten konnte. Die angenehme Wärme im Gebäude und das gute Essen machten ihn noch zusätzlich schläfrig. "Irgendetwas stimmt da doch nicht," meinte Mac, während sie die klobigen Stiefel auszog, die man ihnen in Valdez gegeben hatte, "Ich meine, das sieht mir nicht nach einem natürlichen Tod aus. Niemand, der noch recht bei Verstand ist, zieht hier draußen freiwillig den Parka aus! Wenn man Selbstmord begehen wollte, dann gäbe es schnellere Methoden. Und von Eisbären oder so wurden sie ganz sicher auch nicht gefressen, die hätten sich doch sicher nicht die Mühe gemacht, ihre Beute vorher auch noch auszupacken!" Es erstaunte Harm, daß sie an etwas anderes als ans Schlafen denken konnte. Sie sah noch erschöpfter aus, als er sich fühlte und schien sich nur noch durch pure Willenskraft aufrecht zu halten. "Mac, ich glaube kaum, daß wir heute noch groß weiterkommen. Wieso verschieben wir das nicht einfach auf morgen, wenn wir ausgeschlafen sind?" schlug er vor, "Sie können sogar als erste das Bad benutzen, es sei denn, Sie legen mir das wieder als machohafte Pseudohöflichkeit aus." Harm bedachte sie mit einem seiner Flyboy-Grinsen. Aber Mac ließ sich, wie sie es ihm schon am Anfang ihrer Zusammenarbeit prophezeit hatte, davon nicht beeindrucken. "Wenn das ein Versuch sein soll, witzig zu sein, dann lassen Sie sich mal ein paar Nachhilfestunden von einem Komiker geben! Und außerdem hab ich es Ihnen schonmal gesagt: Ich bin ein Offizier der US-Streitkräfte, ein Marine und Anwältin und kein Highschool-Girl, das Sie mit Ihrem betörenden Lächeln beeindrucken könnten!" Aufgebracht wühlte sie in ihrer Reisetasche herum. Harm versuchte es noch einmal. "Also geben Sie zu, daß mein Lächeln betörend ist?" fragte er und wandte sein volles Flyboy-Potential auf sie an. "Ja, in etwa so betörend wie ein Grippe-Virus!" knurrte Mac böse. Sie packte ihr Bündel und marschierte ins Badezimmer. Harm zog mit einem Seufzen die Stiefel aus und setzte sich auf den Bettrand, im Schlafzimmer gab es keine andere Sitzgelegenheit. Er hätte sich gerne der Länge nach ausgestreckt, aber er wußte, daß er dann sofort eingeschlafen wäre. Er hielt sich wach, indem er über Mac und ihr Verhalten ihm gegenüber nachdachte. Sicher, er hatte auch seinen Anteil daran, daß sie keine drei vernünftigen Wörter am Stück mehr miteinander reden konnten; er konnte es einfach nicht lassen, sie zu necken. Aber früher hatte Mac seine scherzhaften Bemerkungen einfach erwidert, anstatt sofort wütend zu werden, noch bevor er richtig den Mund geöffnet hatte. Er versuchte sich daran zu erinnern, wann genau es angefangen hatte, daß sie sich nur noch im Büro sahen, daß sie sich behandelten wie Fremde und kein freundliches Wort mehr füreinander übrig hatten. Irgendwie wurde er das Gefühl nicht los, daß er irgend etwas getan hatte, was Macs schlechte Laune verursacht hatte, aber er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, was es gewesen sein mochte. Vielleicht hatte Mac auch private Probleme? Er hätte sie gerne mal nach Brumby gefragt oder ob sie den Tod ihres Vaters überwunden hatte, aber er befürchtete, daß auch das nur wieder in Streit ausartete. Er war es nicht gewohnt, nicht einfach über alles mit Mac sprechen zu können und wußte nicht, wie er sich jetzt verhalten sollte. Harm wurde aus seinen Gedanken gerissen, als Mac aus dem Badezimmer kam. Sie trug einen Pyjama aus silberner Seide. Harm verkniff sich in letzter Sekunde eine Bemerkung darüber, was aus dem sexy Spitzennachthemd aus Moskau geworden war. Wortlos ging er an Mac vorbei ins Badezimmer. Zehn Minuten später kam er in Boxershorts und einem weißen T-Shirt zurück. Leise schloß er die Badezimmertür hinter sich und erwartete, Mac schlafend zu sehen, aber sie lag, die Decke bis zum Hals hochgezogen, auf dem Rücken und starrte an die Zimmerdecke. Es erstaunte Harm, sie noch wach vorzufinden, denn sie sah wirklich groggy aus. Harm näherte sich zögernd dem Bett und verfluchte im Stillen den Umstand, daß es hier nichteinmal eine Couch gab. "Ähm, Mac..." Sie sah auf, so rasch, als hätte sie gar nicht bemerkt, daß er ins Zimmer gekommen war. "Hm?" "Sieht nicht so aus, als müßten wir uns hier darum streiten, wer die Couch nimmt und wer das Bett, oder?" Harm lächelte etwas unsicher. "Wir werden uns das Bett ganz einfach teilen, schließlich sind wir doch beide erwachsen." meinte sie und leiser: "Na schön, wenigstens einer von uns." "Okay." Harm schlüpfte unter die Decke und unterdrückte ein Gähnen. "Ich hoffe, Sie gehören nicht zu der Sorte, die einem schlafenden Mann nachts die Decke klaut?" Mac knurrte nur und rollte sich zur anderen Seite. "Gute Nacht!" "Gute Nacht." Harm schloß die Augen, konnte aber wider Erwarten nicht sofort einschlafen. Nach zehn Minuten hatte er endlich herausgefunden, was ihn davon abhielt: Mac wälzte sich unruhig hin und her und ihre Decken raschelten. "Mac, was gibt es für Probleme? Ich hätte schwören können, Sie sind genauso müde wie ich." stöhnte Harm und knipste die Nachttischlampe an. "Es gibt keine Probleme," schnappte Mac, "Machen Sie endlich das Licht aus!" "Keine Probleme, hm? Und weshalb veranstalten Sie dann einen Ringkampf mit ihrer Bettdecke?" Harm besah sich skeptisch Macs Schlafposition. Sie hatte sich am Rand des Bettes zusammengerollt und wirkte nicht sonderlich entspannt. "Vielleicht ist das einfach nur mein abendliches Ritual, okay?" fauchte sie ihn an. Harm fragte sich, wie sie jetzt noch soviel Energie übrig haben konnte, um ihn anzuschreien. Er selbst war viel zu müde, um wütend zu werden. "Okay." gab er nach und schaltete das Licht aus. Zehn Minuten später war Harm endlich eingeschlafen. Ein dumpfer Laut ließ ihn jedoch wieder hochfahren und er tastete schlaftrunken nach dem Lichtschalter. "Mac?" fragte er und blinzelte als er endlich den Lichtschalter fand. Mac saß mitsamt ihrer Decke neben dem Bett am Boden und rieb sich den Kopf. Harm brauchte einige Sekunden, um zu begreifen, daß sie aus dem Bett gefallen war. Harm setzte sich auf. "Mac, das ist doch lächerlich. Sie werden wieder aus dem Bett fallen, wenn Sie sich so dicht an den Rand legen. Ich beiße nicht und meine Hände kann ich auch ganz gut bei mir behalten. Sie wissen doch, Mac: Ich bin ein Offizier und Gentleman." er lächelte müde. Mac krabbelte ins Bett zurück. "Das mit dem Offizier kann ich bestätigen!" murmelte sie finster. Früher wäre es ein Scherz gewesen, über den sie beide gelacht hätten, aber jetzt klang es schärfer, als sie vielleicht beabsichtigt hatte. Scheinbar hatten sie die Fähigkeit verloren, sich auf eine freundschaftliche Weise zu necken. Harm war schlicht zu müde, um sich noch weiter mit dem irritablen Marine neben sich zu befassen. "Na schön, wie Sie wollen. Aber nächstes Mal wenn Sie aus dem Bett fallen, tun Sie es bitte etwas leiser!" TBC |